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Kriege gehören ins Museum!

Ausflugs-Testfamilie

Kriege gehören ins Museum!

Ein wirklich wahres Wort, diese Inschrift gleich neben dem Eingang des Wiener Heeresgeschichtlichen Museums: Kriege gehören ins Museum. Als friedliebender Mensch ergänze ich: Und nur dorthin.

Familie ist die Keimzelle der Gesellschaft, heißt es gemeinhin. So sollte auch Pazifismus in dieser Keimzelle seinen Ursprung haben. Theoretisch. Außer, es geht um die simple Frage: „Was machen wir heute?“ Da schlittert unsere sechsköpfige Familie recht schnell in so manches Konfliktgeschehen: Wir sind nämlich in zwei Lager gespalten. Im Alltag manifestiert sich diese Tatsache nicht so deutlich, aber auf Reisen oder bei der Planung von Freizeitaktivitäten wird mitunter heftig diskutiert, wenn es um die Tagesplanung geht.


WAS MACHEN WIR HEUTE? – EINE MITUNTER GEFÄHRLICHE FRAGE


Die einen können sich stundenlang in Zeughäusern, Waffenkammern, Wagenburgen, Militaria-Sammlungen, U-Booten, Panzerstellungen und Schützengräben aufhalten und sich über strategische Winkelzüge der Vergangenheit austauschen. Sie kennen alle Details sämtlicher Waffengattungen von der Steinzeit bis heute und haben zudem die Angewohnheit, ihr Wissen preiszugeben bzw. die Vertreterinnen – hier muss man nicht einmal gendern, denn sie sind allesamt weiblich – des anderen Lagers abzufragen.
Die anderen Familienmitglieder – also die schöngeistig-pazifistischen – bemühen sich (meistens), höflich zu bleiben oder zumindest mit interessierter Miene wegzuhören. Nach jahrelangem kriegshistorischem Training sind jedoch auch bei ihnen etliche Fakten in den Gehörgängen und Gehirnwindungen hängen geblieben, was nicht zuletzt sie selbst immer wieder in Staunen versetzt. Die Vertreterinnen dieses anderen Lagers sind nicht etwa borniert oder ignorant, was die Vorlieben der männlichen Familienmitglieder betrifft. Sie lehnen Museen auch nicht per se ab. Sie können sich durchaus für eine gut ausgestattete Schatzkammer, eine Gemäldegalerie, ausgestopfte oder lebende Tiere begeistern. Aber mit Kriegen und allem, was dazugehört, haben sie nichts am Hut. Außer, es geht um eine coole Familienführung, zum Beispiel im Wiener Heeresgeschichtlichen Museum.


AUSNAHME FAMILIENFÜHRUNG – DA WIRD AUCH HEERESGESCHICHTE PLÖTZLICH FÜR ALLE SPANNEND


Unsere Führerin Monika erwartete uns beim Eingang und erzählte gleich zu Beginn einiges über die Geschichte des Hauses. So wurde das HGM von vornherein als Museum konzipiert und war somit das erste Museum in Wien und eines der ältesten in Europa. Die Idee zum Bau kam von Seiner Majestät Kaiser Franz Josef I. höchstpersönlich, denn er wollte darin die Taten der siegreichen Feldherren der österreichischen Geschichte darstellen. Daher wurde es zu dieser Zeit auch das Heeresmuseum genannt. Welche Feldherren für Österreich im Lauf der Jahrhunderte in den Krieg zogen, ofenbart gleich die Eingangshalle, passenderweise Feldherrenhalle genannt. Hier stehen 56 Statuen österreichischer Heerführer.


STAUNEN IN DER FELDHERRENHALLE


Jede der Statuen ist genau 186 cm groß und aus reinstem Carrara-Marmor gefertigt. Wie kunstvoll die Bildhauer an diesen Standbildern gearbeitet haben, zeigte uns Monika anhand der Statue von Prinz Eugen von Savoyen, der uns während unserer Führung immer wieder unterkam. An seiner Frisur, der Kleidung, den Schuhen und seinen Attributen konnte man bereits viel über ihn erfahren. So lebte Prinz Eugen im Zeitalter des Barock und trug auch die dafür charakteristische lange Lockenpracht. In der Hand hält er einen Marschallstab, das Zeichen dafür, dass er Heere befehligte. Wie erfolgreich er damit war, erfuhren wir im oberen Stockwerk.


RED-CARPET-FEELING IM STIEGENHAUS MIT MONIKA, DER ALLWISSENDEN


Über einen roten Teppich gelangten wir ins Obergeschoß des HGM. Auf dem Weg dorthin durchquerten wir jedoch die temporäre Sonderausstellung „Die Gerechten – Courage ist eine Frage der Entscheidung“, die noch bis 1. 10. 2021 zu sehen ist. Monika – eine wirklich umfassend gebildete Museumsführerin – hat uns dabei besonders beeindruckt. Sie spulte nämlich keine Standard-Führung mit uns ab, sondern ging höchst fundiert auf alle möglichen Fragen und Zwischenrufe ein, hüpfte mit Leichtigkeit durch die Jahrhunderte und gestaltete ihre Antworten so detailliert, klug und dennoch verständlich, dass alle Teilnehmer/innen gerne zuhörten und nicht das Interesse verloren.


AN DER „AUSTRIA“ VORBEI INS TÜRKISCHE ZELT


Vorbei an der Allegorie namens „Austria“ – Symbol für Österreich und das Haus Habsburg – gelangten wir in die Ruhmeshalle. Sie zeigt in eindrucksvollen Wandmalereien einige dramatische Momente der Heeresgeschichte, die Monika ansprechend darlegte. Ab dann ging es um Geschichtsvermittlung zum Angreifen. Zuerst durften wir Repliken von Ritterhelmen und Kettenhauben anprobieren, Visiere auf- und zuklappen lassen, danach gossen wir aus Gips Barockengel. Während diese in ihren Formen trockneten, besichtigten wir ein echtes osmanisches Zelt aus der Zeit der Türkenkriege. Vor dieser mehr als 300 Jahre alten Kulisse durften wir eine echte Kanonenkugel angreifen und unsere Jüngste gewann das Schätzspiel über das Gewicht des Geschoßes. Außerdem öffnete Monika ein Kästchen mit echtem goldenen Schlagmetall, das wir vorsichtig im Kreis weiterschweben lassen konnten, weil es so dünn ist. Ganz nebenbei erfuhren wir eine Menge Wissenswertes über die Barockzeit, Musketiere, Prinz Eugen, die Türkenkriege und andere Gefechte und holten am Ende der Führung vorsichtig unsere Engel aus den Formen – unsere Andenken an einen tollen Vormittag im HGM. Fazit dieser grandiosen Familienführung: So eine Führerin wie Monika sollte es in allen Museen geben, dann wären viele Diskussionen zum Thema „Was machen wir heute?“ in vielen Familien obsolet.

www.hgm.at 
 

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